15 49.0138 8.38624 arrow 0 both 1 4000 1 1 fade http://www.stitchnstudy.com/de 300 4000 -

Der Hochzeitsquilt – Teil 1

Wie im letzen Beitrag angekündigt, zeige ich euch heute die Entstehung des Have a Heart Quilts nach dem Schnittmuster von J. Michelle Watts, welches ich als Hochzeitsgeschenk für ein befreundetes Paar gemacht habe.

Zunächst konnte ich mich nicht so recht entscheiden, was für einer  es werden sollte. In den USA haben Hochzeitsquilt eine lange Tradition und es gibt auch typische Hochzeitsquillt Muster wie z.B. den Wedding Ring Quilt.

Da aber die USA mit ihren Traditionen doch ein Stückchen entfernt liegen, und das Brautpaar auch eher moderner ist, habe ich mich eine Weile umgeschaut und diesen tollen Quilt entdeckt.

Das Brautpaar  soll den Quilt natürlich auch benutzten, daher hab ich zuvor mal nachgefragt, was denn so Ihre Lieblingsfarbe ist und ganz zufällig war das blau, genau so wie der Original Quilt 🙂

Nachdem ich dann also das Schnittmuster heruntergeladen habe, ging es gleich an den wie ich finde schwierigsten Schritt.

Die richtige Stoffauswahl

Nun zur richtigen Wahl der Stoffe wimmelt es im Netz nur so vor Information. Ganze Bücher und Blogs sind einzig dem Thema Stoff, bzw. Farbkombination von Quilts gewidmet. Ich muss gestehen, dass mich das ganze etwas überwältigt und ich mich nach Möglichkeit nur nach den folgenden Dingen richte.

Precuts

Precuts sind Stoffpakete, die farblich wunderbar aufeinander abgestimmt sind. Das heißt aber nicht, dass ein Päckchen nur „Grüns“ oder „Blaus“ beinhaltet, sondern gemischt und trotzdem ganz großartig zusammen aussehen. Farben können in verschiedenen Kategorien sortiert werden. So kennt ihr wahrscheinlich warme Farben, wie orange, rot, gelb und kalte Farben, wie grün, blau oder lila.

Farben können aber auch nach ihrer Farbintensität sortiert werden, also von hell nach dunkel. Dabei muss ein braun nicht unbedingt dunkel sein, es gibt ja auch hellbraun. Und ein gelb muss nicht unbedingt pastellig sein, sondern kann richtig quitschgelb sein und eher zur dunkeln Kategorie gehören.

Manchmal erkennt man diese Farbintensität nicht so gut. Da kann es helfen, ein Foto von den Stoffen zu machen und dieses in schwarz-weiß umzuwandeln.  Auf Craftsy gibt es zu diesem Thema einen Artikel mit ganz tollen Bildern.

Nun, um ehrlich zu sein, versteh ich wirklich nicht viel davon, daher verlasse ich mich gerne auf diese Precuts, weil die einfach schon so wunderbar vorsortiert sind.

Mal im Ernst, die Farben und Muster sind doch der Knaller, oder? 😀

 

Precuts gibt es in ganz vielen verschiedenen Ausführungen, bzw. Grössen wie z.B. als kleine Quadrate (z.B. Charm Pack, 5in x 5in), Streifen (z.B. Jelly Roll, 2,5in x 44 in) oder als Vierecke (z.B. Fat Quarter 18in x 22in). Bei Moda gibt es eine hübsche Auflistung aller Größen.

 

Außerdem haben Precuts den Vorteil, dass man einen wunderschön vielfältigen Quilt machen kann, da praktisch jedes Muster meistens nur ein oder zweimal vorkommt. Für diesen Babyquilt habe ich z.B. ein Charm Pack verwendet. Ansonsten wäre es ziemlich schwierig (und teuer) geworden, 42 verschiedener kleiner Stoffquadrate zu besorgen.

 

Precuts haben allerdings auch einen Nachteil. Sie sind mitunter nicht ganz billig (wie bei so vielen schönen Sachen) 🙂

Für den Have a heart Quilt benötigt man drei Jelly Rolls nur für das Top, also den oberen „zusammengestückelten“ Teil. Bei DaWanda oder auch Etsy gibt es wunderschöne Päckchen, preislich liegen aber auch diese bei rund 40Euro pro Jelly Roll. Da ja auch noch das Vlies und der Stoff für das Rückteil dazukommen, war mir das etwas zu teuer. Daher bin ich dann doch in meinen Lieblings Dekor Stoff Laden und hab mir dort die Stoffe ausgesucht.

Meine 3 Regeln zur Stoffauswahl:

Wahrscheinlich hat jeder Quilter seine eigene Regel, wie er Stoffe aussucht, wie z.B. es muss unbedingt ein Blumenmuster, ein gestreifter Stoff und einer mit Polkadots dabei sein.

Ich habe kein bestimmtes Muster das auf jeden Fall vorkommen muss. Im Gegenteil.

1. Regel: Es darf auch unifarben sein

Bei all den wunderschönen Mustern und Drucken die es gibt, kann man das schnell mal aus den Augen verlieren, aber ein unifarbener Stoff kann etwas Ruhe in den Quilt bringen. Gerade dann, wenn alle andere Muster sehr „wild“ sind.

2. Regel: Proportion zwischen Muster und Quiltteilen

Apropos Muster. Bei der Musterwahl achte ich darauf, dass die Größe des Musters zur Größe der geschnittenen Stücke passt. Wenn ich etwas zusammensetze was aus extrem vielen kleinen Teilen besteht ist es nicht so sinnvoll, wenn mein Stoff ein wunderschönes, aber relativ großes Muster hat, weil das dann einfach nicht „wirkt“. So habe ich z.B. einen etwas größeren Blumenstoff als „Backing“, also für die Rückseite des Quilts genommen, weil dieser Stoff das größte Muster hatte. Außerdem ist es beim Backing auch achtsam auf den Preis zu achten, weil da mehrere Meter benötigt werden.

3. Regel: Zeit

Das kann mitunter das schwierigste sein. Zeit!! Du brauchst Zeit! Und Platz! Ein Tisch nur für dich und deine Stoffe, die du nach Belieben hin und her packst, nebeneinander legst, umsortierst, vergleichst. Am besten hast du eine nette Verkäuferin die dich gern berät und nicht stresst, weil evt. noch andere Kunden im Laden steht. Immerhin wirst du Stunden über Stunden an dem Projekt verbringen. Stell dir vor, Monate später bist du mit deinem Quilt fertig, nur um festzustellen, dass die 80 kleinen Quadrate in lila-blas-blau irgendwie doch nicht das Richtige sind.

Also, sag deinem Mann Bescheid, dass du die nächsten drei Stunden nicht da bist und er sich bitte um die Kinder kümmert, schnapp dir deine beste Freundin und auf zum Shoppen der etwas anderen Art 😉

Hier meine Ausbeute 🙂

Have a heart quilt fabrics

Als Vlies habe ich mich für ein mittelschweres Polyester Vlies entschieden. Bei Babydecken nehme ich auf jeden Fall 100% Baumwolle, aber bei diesem Quilt sollte Polyvlies reichen.

Vorwaschen…. oder nicht?

Prewash

Tja, das ist die ewige Frage. Stoffe vorwaschen oder nicht. Ich persönlich bin ein absoluter Fan vom Vorwaschen, die Gründe dafür erkläre ich dir in diesem Beitrag. Bei diesem Quilt habe ich mich für einen Mittelweg entschieden und die Stoffe nicht in der Waschmaschine sondern in der Badewanne vorgewaschen. Dazu die Stoffe in der Wanne ausbreiten und heißes Wasser einlaufen lassen und gleichzeitig etwas Color Waschmittel dazugeben. Falls deine Stoffe „bluten“ hilft das Waschmittel die Farbpigmente aufzufangen. Um sicherzugehen, habe ich die beigen und die blauen Stoffe trotzdem separat gewaschen.

 

Nach ca 20 Minuten können die Stoffe zum Trocknen aufgehangen und gebügelt werden, gerne mit etwas Sprühstärke. Stoffe die sehr lasch sind, verrutschen beim Zuschneiden eher, als die die mit etwas Sprühstärke versteift wurden.

Nach dem Waschen und Bügeln bereite ich alle meine Stoffe auf den Zuschnitt vor. Das bedeutet, ich schaue erst mal ob der Fadenlauf stimmt.

Bei diesem Beispiel sieht man mal, wie extrem verzogen der auf dem Balken war.

Fabric Grain

Und bei dem Karierten hab ich mich so geärgert, dass ich den direkt wieder aussortiert habe.

Fabric grain

 

 Zuschnitt

Nachdem ich alle Stoffe zubereitet hatte, ging es dann an Zuschneiden. Hierzu habe ich die Stoffe zweimal zusammengelegt und jeweile 2,5 inch breite Streifen zugeschnitten.Fabric stripes

Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie vorteilhaft so eine größere Schneidematte wäre und gleich mal was auf die Wunschliste gesetzt. Dazu noch der passende Tisch, damit ich nicht ständig auf dem Boden rumkrabbeln muss 🙂

Die Stoffstreifen selber wurden dann noch mal zerschnitten und zwar in rein zufällige Grössen, lang, kurz, es war alles dabei.

Stripes pieces

Hilfe beim Nähen

Mein Großer ist vier Jahre alt und so wirklich an die Nähmaschine möchte ich ihn noch nicht lassen, aber er wollte natürlich total gerne mithelfen (schließlich hat er eine Zeit lang gedacht, es handle sich um seine Hochzeit 😉 ) Er und die Kleine hatten zunächst einen riesen Spaß die ganzen Stoffstücke durcheinander zu wirbeln und zu vermischen.

Als nächstes ging es dann an die Nähmaschine. Auch da waren sie mir eine große Hilfe 🙂 Denn die ganzen Stoffstreifen wollten zu EINEM einzigen Stoffstreifen zusammengenäht werden.

Um die ganzen Streifen zusammenzunähen, habe ich das sogenannte „chain piecing“ gemacht. Dabei nimmt man zwei Teile, näht diese zusammen und schneidet den Faden NICHT ab. Stattdessen werden einfach die nächsten beiden Teile zusammengenäht und so weiter. Die Kids durften mir dabei die Streifen reichen die zusammengenäht werden sollten, und haben dabei natürlich darauf geachtet, dass es nicht zweimal das gleich Muster ist.

Long stripe

 

Nachdem alle Stücke zusammengenäht waren, habe ich diese lange Kette von der Maschine genommen, die Fäden zwischen den Stücken durchgeschnitten, die Nähte gebügelt und zurück in den Korb gelegt, da das Ganze von vorne losging. Das ganze wurde so oft wiederholt, bis wir nur noch einen einzigen Megastreifen hatte. Ich weiß nicht mehr, war es der blaue oder der beige,aber einer der Streifen war rund 60 Meter lang :-O

Fabric roll

 

 

 

 

Nun kam auch das Schnittmuster zum Einsatz. Dort steht nämlich angegeben wie lange Stückchen man nun von den Mega Streifen abschneidet und wieder zusammensetzt, so dass dieses tolle Herz Muster entsteht.

Have a hear quilt

Nach jedem Nähen werden die Nähte ordentlich auseinandergebügelt und so nahm das Top langsam Gestalt an.

Damit es ein bisschen persönlicher wird

Rund 40 Stunden nach Start des Projektes, war ich dann mit dem Top soweit fertig. Als nächstes wollte ich gerne noch etwas in das Herz applizieren. Die Grundidee war ein „Mr. & Mrs“. Hierzu habe ich mir am PC eine Schrift ausgesucht die mir gefallen hat und verschiedene Größen ausgedruckt. Auf den Quilt gelegt habe ich dann einen recht guten Eindruck bekommen wie das Ganze aussieht.

Das „Mr. & Mrs.“ war zwar nicht schlecht, aber irgendwie kam die Idee es noch mit dem Monogramm der beiden zu versuchen und das wirkte dann gleich nochmal persönlicher.

Nach schier unendlichem hin und her was die Position der Buchstaben betrifft, habe ich die Stücke dann mit einer Art doppelseitigem Vliesofix auf den Quilt fixiert. Dazu habe ich die Buchstaben auf das Vliesofix abgepaust und auf den Stoff, aus dem die Applikation werden sollten, aufgebügelt. Danach schön ausgeschnitten und das Papier von der Unterseite entfernt und nun auf den Quilt gebügelt. Je nach Hersteller sind die Anleitung hierfür etwas verschieden. Da müsst ihr unbedingt drauf achten. Bei meinem Klebepapier, braucht die erste Seite eine Temperatur von ca 120Grad Celcius und auf GAR KEINEN FALL DAMPF, weil die zweite Seite in Verbindung mit dem DAMPF und bei 150Grad zu kleben anfängt.

Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich anschließend die Buchstaben mit einem super engen Zick-Zack Stich (der Knopflochstich an meiner Nähmaschine) verstärkt.

Nun war das Top wirklich fertig und ich konnte mir Gedanken um das Quilten machen.

Was ich dabei alles gelernt habe verrate ich euch im nächsten Beitrag.

Was war euer größtes Patchworkprojekt?

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann abonniere den Blog und erhalte als Dankeschön mein Tutorial für das super praktische Nadelkissen!

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann teile ihn!

-0 Kommentar-

Antworten

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .